Mehrdimensionale Programmierung von Bildungssendungen

Zdeněk Vaněk, Karel Votroubek, DCIT, a.s. Division PROVYS, Prag

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Das Ziel dieser Mitteilung ist die Information über eine der möglichen Methoden zur Optimierung von Sendezeiten der jeweiligen Bildungsprogramme bei den gegebenen Programmserien. Die Methode geht von einem realem Wachstum bei der Anzahl der verfügbaren Vertriebskanäle infolge der verlaufenden Digitalisierung aus, wo es bei eindimensionaler Programmierung leicht zu zeitlichen Kollisionen zwischen den für den gleichen Zuschauertyp bestimmten Programmen untereinander kommt, da beide Programme zeitgleich auf 2 Kanälen gesendet werden. Wenn die Forderung lautet, die Anzahl solcher Programmkollisionen zu senken und damit die Effizienz der für die Beschaffung und Sendung aufgewendeten Kosten zu erhöhen, müssen Kriterien in die Planung der Sendezeiten aufgenommen werden, die eine Messung und damit Minimierung dieser Kollisionen ermöglichen. In der Praxis bedeutet das, anstelle der üblicherweise gemessenen Zuschauerquote, bei der die Zuschauer aus dem gesamten territorialen Universum repräsentierenden Zuschauergruppen berücksichtigt werden, die Aufteilung des Zuschaueruniversums in einen mehrdimensionalen Raum nach Vertriebskanälen und Zuschauertypen aufzuteieln, und damit Gewinnung von Informationen über die Wahrscheinlichkeit der Entstehung zeitlicher Kollisionen zu ermöglichen.

Das allgemeine Lösungsprinzip geht davon aus, dass ein Programm eine höhere Priorität als übrige Programme erhält. Zur Festlegung der Prioritäten kann es verschiedene Herangehensweisen geben, z.B. die sich aus der Medienpolitik ergebenden Forderungen. Die beschriebene Methode wählte die auf den soziowirtschaftlichen, durch die Zuschauer in ihrem beruflichen und privaten Leben realisierten Vorteile basierende Herangehensweise, da es dazu heute in Europa verfügbare statistische Daten gibt, die mittels EUROSTAT gesammelt werden, und zwar insbesondere die Gruppe der Parameter zur Bewertung der soziowirtschaftlichen Effekte aus Aktivitäten im Rahmen lebenslanger Bildung.

BESCHREIBUNG DER LÖSUNG

Die praktische Lösung besteht aus 7 Schritten:

a) Jede Programmserie enthält in ihrer Definition die Klassifizierung der Zuschauertypen, für die sie bestimmt ist. Die Methode setzt eine 2-dimensionale Klassifizierung des Zuschauertyps ein, wobei die erste Dimension durch den Interessenzweig definiert ist (konkret 31 Codes der internationalen Schlüsselliste für die Zweige NACE), und die zweite Dimension durch das Alter des Zuschauers (konkret 5 Alterskategorien). Da die Orientierung der meisten Programme für mehrere Zuschauertypen bestimmt ist, erfolgt die Klassifizierung jeder Serie in Form einer 2-dimensionalen Tabelle, wobei der interne Programmangestellte in jedem Tabellenfeld den prozentualen Anteil des betreffenden Zuschauertyps schätzt. Ein Beispiel ist im nachstehend aufgeführten Schema dargestellt.

b) Jedem Vertriebskanal mit Wirksamkeit im ausgewählten Universum wird aus den vorherigen Quotenstatistiken eine durchschnittliche Zuschaueranzahl zugeordnet. Die Datenbank der Kanäle ist 3-dimensional, wobei die ersten zwei Dimensionen die Beschreibung der Programmserie betrifft (Zweig und Alter des Zuschauers) und die dritte Dimension sich auf die Sendezeit konzentriert (Prime Time usw.). Die Daten in der Datenbank der Kanäle werden periodisch per Software anhand der Beschreibungen der gesendeten Programme und der gemessenen Zuschauerquote in den einzelnen Altersgruppen aktualisiert.

c) Die Messung der Zuschauerquote pro Kanal erfolgt mithilfe standardmäßiger Methoden (Peoplemeter, GfK usw.).

d) Periodisch werden aus Eurostat soziowirtschaftliche Daten gewonnen und in der Wissensdatenbank als Grundlage für den Entscheidungsalgorithmus bei Festlegung der Prioritäten gespeichert.

e) In den Programmierungsprozess wird ein sog. Kollisionszwischenschritt eingelegt, in dem ein Softwaremodul die Wahrscheinlichkeit zeitlicher Kollisionen schätzt und eventuelle zeitliche Verlegungen der Programme so vorschlägt, dass die Wahrscheinlichkeit zeitlicher Kollisionen minimiert wird.

f) Der Programmangestellte beurteilt das Ergebnis des Kollisionszwischenschritts und stellt den definitiven Sendeplan auf.

g) Die Forschungsabteilung nimmt periodisch einen Review der erreichten Ergebnisse vor und passt nach den festgestellten Werten die Parameter für die Entscheidungsregeln des Kollisions-SW-Moduls an.

Das gesamte System wird im nachfolgenden Schema dargestellt:

ABSCHLUSS:

Die entworfene Lösung geht davon aus, dass Bedarf an Änderungen an Programmierungsprozessen besteht, insbesondere bei öffentlich-rechtlichen und nicht kommerziellen TV-Sendern. Dieser Bedarf ergibt sich aus dem Übergang zur Digitalisierung der Vertriebskanäle. Die Erhöhung der Anzahl der Vertriebskanäle erhöht auch die Wahrscheinlichkeit zeitlicher Kollisionen von auf den gleichen Zuschauertyp orientierten Programmen und damit einer Senkung ihrer Zuschauerquote. Die logische Folge zeitlicher Kollisionen ist ein Rückgang bei der Effizienz der Nutzung verfügbarer Bildungsaktiva. Im Effizienzbereich werden durch die beschriebene Methode in den Entscheidungsmechanismus über die Prioritäten bei den Programmen im Tagesplan die sozioökonomischen Daten aus EUROSTAT eingeführt. Diese Daten richten sich vor allem an Jugendlichen, Behinderten, Arbeitslosen, Personen ohne abgeschlossene Ausbildung und Minderheiten. Durch Einführung dieser Aspekte in den Entscheidungsmechanismus bringt der TV-Sender die Effizienzmessung dem bürgerlichen Empfinden des Beitrags nicht kommerzieller Sendungen näher.

Eine zweite wesentliche Änderung stellt die Dekomposition des 1-dimensionalen Zuschaueruniversums in ein 3-dimensionales Kanaluniversum das. Das ermöglicht, aus der Bewertung eventueller zeitlicher Kollisionen, Subjektivität auszuschließen.

Die dritte Änderung bringt die beschrieben Methode bei der Erweiterung der Programmbeschreibung um eine 2-dimensionale Matrix mit Zieltypen der Zuschauer. Korrekterweise sollte man bei der Beschreibung von Bildungssendungen auch mit der durch die sog. Halbzeit des Zerfalls des Informationswertes ausgedrückten Alterung des Programms arbeiten; dies hat aber eher Bedeutung beim Planen der Schaffung neuer Programme und wird deshalb in dieser diese Dimension durch die beschriebene Methode bisher nicht eingesetzt.

Diese Beschreibung enthält weder die Konkretisierung des Datenmodells noch die Beschreibung einer konkreten Softwarelösung, weil die Mitarbeiter von DCIT, a.s. im Rahmen von PROVYS das beschriebene Modell bisher bei keinem Sender implementiert haben. Dieser Istzustand hängt mit der Problematik der Datengewinnung aus Eurostat zusammen, weil die eingesetzten Parameter derzeit konkretisiert und schrittweise in die nationalen statistischen Systeme eingeführt werden.

Der Vorteil der beschriebenen Methode besteht darin, dass sie sich nicht bloß auf Bildungsprogramme und digitale terrestrische und Satellitenkanäle beschränkt, sondern auch mit weiteren Typen von Sendestraßen (Internet, UTM usw.) voll kompatibel ist.

Literatur:
Standardy a podklady EU v oblasti VET – CQAF (Vocational Education and Training - Common Quality Assurance Framework)
Systembeschreibung von PROVYS TVoffice (www.provys.com)